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Alles stimmte – die Musik, die Stimmung und das Wetter
 

"Das esch es Jodlerfescht" - dies ist die Kurzfassung einer Jodlerin über das 47. Bernisch-Kantonale Jodlerfest in Schwarzenburg. Bei strahlend blauem Himmel ging am Sonntag, 17. Juni 2012 das 47. Bernisch-Kantonale Jodlerfest mit dem traditionellen Festumzug zu Ende. Weit mehr als 40‘000 Besucherinnen und Besucher wohnten während der drei Festtage den Wettvorträgen, dem Festakt und dem Festumzug bei oder flanierten durch das Jodlerdorf. Das Fest ging ohne Zwischenfälle über die Bühne, das Motto "zämestah u’s gmüetlech ha" wurde in vollen Zügen gelebt.

Während dreier Tage mutierte Schwarzenburg zum eigentlichen Jodlermekka. Bei wunderschönem Wetter fanden die Wettvorträge in den Sparten Jodeln, Alphornblasen und Fahnenschwingen statt. Volle Konzentration war gefragt beim Ansingen und Einüben vor dem grossen Auftritt. Gross war die Anspannung, noch grösser die Erleichterung und die Freude nach erfolgreichem Auftritt. Bei so manchen Aktiven floss sie in Tränen unter dem Sonnenschein dahin. Danach ging’s auf ins Jodlerdorf oder eines der Festzelte, um - getreu dem Motto "zämestah u’s gmüetlech ha" - weiter zu jodeln, beisammen zu sitzen und das Fest zu geniessen.

Die Stimmung am Fest war während der drei Tage bombastisch, friedlich und "gmüetlech" zugleich. Die beiden Freinächte bezeichnete der Gemeindepräsident Ruedi Flückiger in seinem Grusswort im Festakt am Sonntagmorgen als "die schönsten schlaflosen Nächte des Schwarzenburgerlandes". Im Festzelt an der Güterstrasse sorgte am Samstagabend das Bergwaldchörli aus Enggenhütten mit seinen Acapello-Einlagen, zwar in Appenzeller Tracht, doch ohne rotes Gilet vorgetragen, für Furore. Zweimal wurden sie vom übervollen Festzelt herausgefordert. Ebenso bebte das Partyzelt. Die Festbesucherinnen und -besucher dehnten kurzerhand die Tanz- und Festfläche auf den Zeltvorplatz aus - Petrus sei’s gedankt. Ein gelungenes Fest. Das Organisationskomitee ist rundum zufrieden. Einen solchen Grossanlass durchzuziehen ohne grossen Zwischenfälle und ohne wirklich sichtbare Polizeipräsenz, sei eine grosse Genugtuung, so der Präsident, Albert Koller.

Wunderbarer Festakt

Nach zwei Wettvortrags-Tagen eröffnete die Harmonie Schwarzenburg am Sonntagmorgen in der reich mit Blumen dekorierten Pöschenhalle den Festakt. Verschiedene Ehrengäste aus Kultur und Politik richteten Grussworte und Gedanken an die zahlreich erschienenen Jodler und Jodlerinnen, Gäste und Besucherinnen und Besucher. Dazwischen spielte die Harmonie Schwarzenburg, waren Alphornklänge zu hören und das Kinderjodlerchörli Schwarzenburg sang drei Jodellieder.

Gemeindepräsident Ruedi Flückiger meinte in seiner Grussbotschaft, dass Schwarzenburg in den letzten drei Tagen dank den Trachten und wunderschönen Blumen zur farbigsten und trotz mehreren Tausend Gästen friedlichsten Gemeinde des Kantons wurde. Einer der Höhepunkte des Festakts war die Fahnenübergabe von Langethal an Schwarzenburg. "Äs Härz vou Sunneschyn" wünschte der OK-Präsident des 46. Bernisch-Kantonalen Jodlerfests und Stadtpräsident von Langenthal, Thomas Rufener, dem verbleibenden Fest in Schwarzenburg und all den kommenden Jodlerfesten, bevor sein Fähnrich die Fahne an Schwarzenburg übergab. Hier wird sie ein Jahr verweilen, bevor sie nächstes Jahr an den Austragungsort des 48. Bernisch-Kantonalen Jodlerfests, Tramelan, weitergegeben wird.

Der scheidende Präsident des Bernisch-Kantonale Jodlerverbands, Jürg Domke, bediente sich eines Sinnbildes mit einem Zitat von Victor Hugo: "Perlen liegen nicht am Strand. Wenn du eine Perle begehrst, musst du schon nach ihr tauchen." Wenn ein Jodlerfest eine Perle werden möchte, müsse die gesamte Bevölkerung, alle Helferinnen und Helfer, das OK, die Besuchenden und alle Aktiven dafür schaffen. In Schwarzenburg habe er diese Perle gefunden, meinte Jürg Domke in seiner Ansprache.

Mit einer ersten "standing ovation" wurde der ans Mikrophon tretende Präsident des Organisationskomitees, Albert Koller, empfangen. Schmunzelnd meinte er, das würde nur grossen Stars passieren. Wenn er nach seiner Ansprache eine Zweite erhalte, nähme er diese dankend an. Der Saal applaudierte abermals. "Wenn mer Jodler zeme stönd, will mer singe, juchze wend..." mit diesen Worten eines Jodellieds des Appenzeller Komponisten Dölf Mettler leitete Albert Koller seine Festrede ein. Über die Werte Geborgenheit und Heimat sinnierte er in seiner Ansprache. Heimat könne dort gefunden werden, wo Leib und Seele mehr als nur eine Bleibe fänden, eben da, wo Menschen einem lieb seien. Heimat habe viel mit "dazugehören" zu tun, eine Suche nach Heimat sei nicht zuletzt eine Suche nach der eigenen Identität. Heimat - ein Wert, den die Jodler und Jodlerinnen lebten, der ihnen wichtig und für die Besuchenden spürbar sei. Albert Koller wurde mit einer zweiten, kräftigen "standing ovation" verabschiedet.

Auch Regierungsrätin Beatrice Simon ging auf die Heimatliebe ein, die Jodeln wecken könne. Ein bisschen wehmütig stimmen könne sie schon und doch wirke sie beschwingend. Jodeln sei für einmal keine Schweizer Erfindung, meint die Regierungsrätin, die zur Feier des Tages ihre vor einigen Jahren selbst genähte Tracht anzog. Auf der gesamten Welt sei diese Technik bekannt, um in unwegsamen, gebirgigen Regionen über grosse Distanzen kommunizieren zu können - miteinander, mit dem Vieh und dem lieben Gott.

Gott sei Musik, so Pfarrer Peter von Siebenthal in seiner kurzen Andacht, und lebe in ihr, wenn doch Musik Liebe sei. Er sponn seinen Gedanken weiter und meinte, Gott und Musik lebten herzlich in vielen Arten - in Jazz, Hip-Hop, Rock’n’Roll, hin zu Klassik, Heavy Metal und eben Jodelliedern - in allen lebe Gott.

Krönender Abchluss

Der krönende Abschluss des Jodlerfest war der Umzug am Nachmittag. Die schwarzen Wolken, die am Morgen den Himmel noch etwas verdunkelten, waren davon gezogen. Der Jodlerklub Guggershörnli aus Guggisberg eröffnete den Umzug mit dem Sujet "Alpaufzug". In den 41 folgenden Sujets zogen Skifahrer, Bären, die die Zuschauerinnen und Zuschauer mit Wasser abkühlten, Glacé, Karotten und Erdbeeren verteilten, Esel, Schafe, Fah-
nenschwinger, Alphornbläser, unzählige Jodlerklubs und putzige Berner Sennenhunde auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern vom Oberstufenzentrum am Bahnhof vorbei zum Schloss. Ein wunderschönes, prächtiges Fest, das 47. Bernisch-Kantonale Jodlerfest. Oder in der Kurzversion im Schwarzenburger Dialekt der eingangs zitierten Jodlerin "Das esch es Jodlerfescht."

Sibylle Kamber




 

 
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